Am 26. Januar haben sich Vertreterinnen und Vertreter von neun europäischen Staaten sowie der Europäischen Kommission, NATO-Vertreter:innen und zahlreiche Industrie- und Verbandsvertreter:innen in Hamburg zum dritten Nordsee-Gipfel getroffen, um die Zusammenarbeit im Bereich der erneuerbaren Energien und der Energie- sowie Infrastruktur-Sicherheit zu vertiefen. Der Nordsee-Gipfel ist Teil einer mehrjährigen Initiative der Nordsee-Anrainerstaaten, um die Nordsee zum zentralen Energiestandort für saubere und sichere Stromproduktion zu entwickeln.
Wegweisende Vereinbarungen und Übereinkommen
Staats- und Regierungschefs bekräftigten den gemeinsamen Willen, die Nordsee zu einem „Power Hub“ für saubere und resiliente Energie zu entwickeln. In diesem Zusammenhang konnten verschiedene Vereinbarungen und Übereinkommen geschlossen werden.
- Joint Offshore Wind Investment Pact
Ein Investitionspakt zwischen Nordsee-Staaten, Offshore-Windindustrie und Übertragungsnetzbetreibern soll stabile langfristige Ausschreibungen sicherstellen und Investitionsrisiken reduzieren.
- Ministerielle Erklärung zur Koordination
Energieminister vereinbarten, Planung, Genehmigungen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei Offshore-Wind- und Wasserstoffprojekten zu bündeln.
- Kooperation bei Netz- und Infrastrukturprojekten
Aufbau eines integrierten Offshore-Stromnetzes und weitere Projekte wie die „Bornholm Energy Island“ sollen umgesetzt werden.
Ein zentrales Ziel ist es, bis 2040 jährlich etwa 15 Gigawatt an Offshore-Windenergie zu installieren und insgesamt bis zu 100 Gigawatt grenzüberschreitender Kapazität zu erreichen – ein Meilenstein auf dem Weg zu Europas langfristigem Ziel von 300 GW Offshore-Wind bis 2050.
Warum ist der Gipfel so wichtig für Europa?
- Energieunabhängigkeit
Europa will seine Abhängigkeit von importierten fossilen Energien – vor allem Gaslieferungen aus Russland und anderen Drittstaaten – nachhaltig reduzieren. Offshore-Windenergie liefert eine heimische, erneuerbare Energiequelle, die das Risiko geopolitischer Preisschwankungen und Lieferunterbrechungen verringert.
- Klimaziele und Energiewende
Die EU-Klimaziele und das Pariser Abkommen erfordern einen schnellen Ausbau emissionsfreier Energien. Die Nordsee-Projekte tragen entscheidend dazu bei, den europäischen Strommix zu dekarbonisieren und langfristig Klimaneutralität zu erreichen.
- Sicherheit und Resilienz
Neben der Energieproduktion stand die Sicherheit der Energieinfrastruktur im Fokus. Angesichts wachsender Risiken durch Sabotage, Cyberangriffe oder hybride Bedrohungen sollen Offshore-Netze und Netzkopplungssysteme widerstandsfähiger und besser geschützt werden. Die Einbeziehung der NATO-Vertreter unterstreicht diese Priorität.
- Wirtschaftliche Stärke
Die Kooperation schafft Perspektiven für industrielle Wertschöpfung in Europa: neue Jobs, Investitionen in Produktion und Infrastruktur sowie technologische Führung im globalen Markt der erneuerbaren Energien.
Ein weiterer Schritt nach vorne
Der Nordsee-Gipfel 2026 markiert einen wichtigen Schritt europäischer Zusammenarbeit bei erneuerbarer Energie und Energie- sowie Infrastruktur-Sicherheit. Mit klarem Fokus auf grenzüberschreitende Projekte, stabile Rahmenbedingungen für Investitionen und gemeinsame strategische Ziele sendet die Vereinbarung ein starkes Signal für Europas Energiesouveränität und Klimazukunft.