Mercosur-Abkommen auf der Zielgeraden

Eines der größten Freihandelszonen der Welt steht nach 25 Jahren Verhandlung vor dem Abschluss

15.01.2026

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert zäher Verhandlungen steht das umstrittene Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem südamerikanischen Mercosur-Block kurz vor dem Abschluss. Die Vertreter der 27 EU-Mitgliedstaaten haben Anfang dieser Woche einer politischen Einigung zugestimmt, und die Unterzeichnung des Pakts soll in den kommenden Tagen in Paraguay stattfinden. Die Vertreter der 27 EU-Mitgliedstaaten haben Anfang dieser Woche einer politischen Einigung zugestimmt, und die Unterzeichnung des Pakts soll in den kommenden Tagen in Paraguay stattfinden. Ein formeller Beschluss des Europäischen Parlaments steht jedoch noch aus und wird in den kommenden Wochen erwartet

Hintergrund: Was ist das Mercosur Abkommen?

Der Mercosur-Block wurde 1991 gegründet und umfasst heute Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Zusammen mit der Europäischen Union verhandeln die beiden Regionen seit 1999 über ein Abkommen, das die Zölle und Handelshemmnisse für Waren und Dienstleistungen zwischen ihnen drastisch abbauen soll. Ziel ist es, eine der größten Freihandelszonen der Welt zu schaffen – mit einem Markt von über 700 Millionen Menschen und einem kombinierten Wirtschaftsumfang.

Vorteile des Abkommens 

Mit dem Abkommen würden Zölle auf den Großteil des Warenaustauschs zwischen der EU und Mercosur entfallen, z. B. im Automobil-, Maschinen-, Chemie- und Pharmabereich, was den Handel stimulieren soll. Europäische Exporteure von Maschinen, Fahrzeugen und Chemieprodukten könnten neue Märkte erschließen, während Mercosur-Agrarexporte (z. B. Fleisch oder Zucker) erleichtert werden.

Zugleich würde die EU ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Übersee sträken und Abhängigkeiten von anderen Großmäch-ten im globalen Handel reduzieren. 

Nachteile des Abkommens 

Ein Hauptkritikpunkt aus Europa ist die mögliche Konkurrenz für die heimische Landwirtschaft. Besonders Bauern in Frankreich, Irland und Polen befürchten, dass günstigere Importe von Rindfleisch, Geflügel, Zucker und anderen Agrarprodukten ihre Existenz gefährden könnten. In mehreren Ländern kam es bereits zu großen Protesten und Straßensperren.

Kritiker warnen, das Abkommen könne zu einem Anstieg der Rodung von Regenwaldgebieten in Südamerika beitragen – besonders wenn der Export von Rindfleisch und Soja zunimmt. Zwar sind im Vertrag Nachhaltigkeits- und Deforestations-Klauseln vorgesehen, doch deren Bindungswirkung und Durchsetzung werden als unzureichend kritisiert.

Ausblick

Trotz heftiger Debatten scheint das Mercosur-Abkommen auf dem Weg zu einem historischen Handelsdeal zu sein. Befürworter sehen darin eine wichtige Stärkung der EU-Handelspolitik, Gegner warnen vor ökonomischen und ökologischen Risiken. Der Ausgang dieser Debatte wird nicht nur die transatlantischen Beziehungen prägen, sondern ist auch ein Indikator dafür, wie liberal Handelspolitik und Nachhaltig-keitsziele in der EU künftig zusammengedacht werden.

Politisch ist das Abkommen noch nicht rechtskräftig. Die EU-Mitgliedstaaten haben eine politische Einigung erzielt und die Unterzeichnung terminiert, doch das Europäische Parlament muss dem Vertrag noch zustimmen, bevor er in Kraft treten kann.