Wir informieren über vergangene und anstehende Wahlen in den Mitgliedsstaaten, die Einordnung des Brexit durch den englischen Premier und den Rückgang der Asylzahlen in der EU.
Bei der Parlamentswahl in Lettland am 3. Oktober 2026 erzielte das Bündnis „Vereinte Liste“ (AS) unter Ministerpräsident Andris Kulbergs einen klaren Wahlerfolg und baut seine Position als stärkste politische Kraft aus. Der Wahlkampf war stark von Fragen der nationalen Sicherheit, der Abwehr hybrider Bedrohungen aus Russland und Belarus sowie steigenden Lebenshaltungskosten geprägt. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen und Grenzsicherungsfragen steht das Wahlergebnis für einen klaren pro-europäischen und sicherheitspolitischen Kurs, während die Regierungsbildung angesichts der Parteienlandschaft voraussichtlich Koalitionsverhandlungen erfordern wird.
Bundeskanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron haben ein gemeinsames Vorgehen vereinbart, um schärfere EU-Handelsinstrumente gegen unfaire Wettbewerbspraktiken aus China zu fordern. Sie plädieren für einen Eilmechanismus, damit die EU-Kommission bei Marktverzerrungen sofort Sanktionen verhängen oder Anbieter ausschließen kann. Ziel ist es, europäische Branchen zu schützen und Abhängigkeiten abzubauen (De-Risking). Peking kritisierte den Vorstoß als Protektionismus und droht mit Gegenmaßnahmen.
In Spanien kündigt sich nach einer Regierungskrise und gescheiterten Gesetzesvorhaben eine politische Wende an: Ministerpräsident Pedro Sánchez hat vorgezogene Parlamentswahlen für den 29. November 2026 angesetzt. Die Wahl ist eine richtungsweisende Bewährungsprobe für Europas viertgrößte Volkswirtschaft. Während die sozialistische Regierungspartei PSOE unter Druck steht, führt die konservative PP die Umfragen an, könnte für eine Regierungsbildung jedoch auf die rechtsextreme Vox-Partei angewiesen sein. Eine solche Koalition – die erste Regierungsbeteiligung der Rechten seit Francos Ende – hätte spürbare Konsequenzen für die EU und könnte Kurswechsel in der Migrationspolitik, beim Green Deal sowie bei Spaniens außenpolitischen Initiativen auslösen.
Der britische Premierminister Andy Burnham hat den Brexit in einer viel beachteten Rede auf dem Parteitag der Labour Party am 29. September 2026 als wirtschaftlich und politisch schädlich für Großbritannien bezeichnet. Als erster britischer Regierungschef seit dem Referendum schloss er eine spätere Rückkehr in die EU nicht mehr kategorisch aus. Angesichts globaler Krisen und der spürbaren negativen Folgen für Handel und Wirtschaft plant London, beim kommenden EU-UK-Gipfel Optionen für eine deutlich engere langfristige Zusammenarbeit auszuloten. Während der Vorstoß Burnhams in Brüssel und bei europäischen Spitzenpolitikern grundsätzlich auf offene Ohren stößt, dürfte die Debatte im innerbritischen Raum die alten Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern des EU-Austritts neu aufreißen.
Aktuellen Daten der EU-Kommission zufolge sind die Asylanträge in Europa im Jahresverlauf um knapp ein Viertel zurückgegangen. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Deutschland, das im europäischen Länder-Ranking als Zielland auf den dritten Platz (hinter Frankreich und Italien) zurückgefallen ist. Experten führen diese Entlastung unter anderem darauf zurück, dass u.a. ukrainische Geflüchtete vermehrt andere (ost-) europäische Länder ansteuern. Ungeachtet des generellen Abwärtstrends bleibt die Migrationspolitik auf EU-Ebene ein wichtiges Thema; es wird weiterhin intensiv über verschärfte Rückführungsregeln und den Umgang mit den Außengrenzen verhandelt.