Die Europäische Kommission plant mit dem Industrial Accelerator Act (IAA) eine Verordnung, mit dem die europäische Industrie gezielt gestärkt werden soll. Hintergrund sind der zunehmende globale Wettbewerb, hohe Energiepreise und der Druck, klimafreundlicher zu produzieren.
Kernidee des Vorhabens ist es, öffentliche Aufträge und Förderprogramme stärker an Nachhaltigkeits- und Herkunftskriterien zu knüpfen. Damit soll erreicht werden, dass bei staatlichen Investitionen häufiger Produkte aus europäischer Herstellung zum Einsatz kommen. Besonders im Fokus stehen Branchen, die für Energiewende, Klimaschutz und technologische Souveränität entscheidend sind.
Der IAA richtet sich vor allem an energieintensive und strategisch wichtige Industrien. Dazu zählt die Stahlbranche, die unter hohen Energiepreisen leidet und im internationalen Wettbewerb stark unter Druck steht. Künftig könnte klimafreundlich produzierter „grüner Stahl“ gezielt bevorzugt werden.
Auch die Batterieproduktion und die Elektromobilität spielen eine zentrale Rolle. Europa will eigene Produktionskapazitäten ausbauen, um weniger abhängig von asiatischen Herstellern zu sein. Ähnliches gilt für die Solar- und Windkraftindustrie. Viele Solarmodule kommen derzeit aus China, weshalb die EU die heimische Produktion stärken möchte.
Darüber hinaus gilt grüner Wasserstoff als Schlüsseltechnologie für die Industrie der Zukunft. Hier sollen Investitionen beschleunigt und europäische Anbieter unterstützt werden. Insgesamt geht es also nicht nur um Klimaziele, sondern auch um Arbeitsplätze, Wertschöpfung und strategische Unabhängigkeit.
Mit dem Schlagwort „Buy European“ reagiert die EU auf internationale Entwicklungen. Staaten wie die USA oder China fördern ihre Industrien mit milliardenschweren Programmen und setzen teilweise ebenfalls auf heimische Produktionsvorgaben. Gleichzeitig sind Produktionskosten und Umweltauflagen in Europa häufig höher, was europäische Unternehmen unter Wettbewerbsdruck setzt.
Die EU möchte deshalb die Nachfrage nach europäischen Produkten stabilisieren und Investitionen attraktiver machen. Ziel ist es, wirtschaftlich widerstandsfähiger zu werden und Abhängigkeiten von Drittstaaten zu verringern. Das Prinzip lautet: Wer öffentliche Mittel erhält oder öffentliche Aufträge vergibt, soll europäische Wertschöpfung stärker berücksichtigen.
Der Vorschlag ist innerhalb der EU politisch umstritten. Einige Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, plädieren für klare und verbindliche „Made in Europe“-Regeln, um die heimische Industrie wirksam zu schützen. Andere Länder, darunter Deutschland und mehrere kleinere Mitgliedstaaten, warnen vor zu starken protektionistischen Effekten. Sie befürchten steigende Kosten, weniger Wettbewerb und mögliche Nachteile für exportorientierte Unternehmen.
Zudem ist noch nicht abschließend geklärt, wie streng „europäische“ Herkunft definiert werden soll. Strittig ist etwa, ob nur in der EU produzierte Waren zählen oder auch Produkte aus engen Partnerländern einbezogen werden. Schließlich steht auch die Frage im Raum, ob andere Wirtschaftsräume mit Gegenmaßnahmen reagieren könnten, falls Europa seine Märkte stärker abschottet.
Fest steht: Der Industrial Accelerator Act soll Europas Industrie fit für die Zukunft machen. Wie stark das „Buy European“-Prinzip am Ende tatsächlich ausfällt, wird sich erst in den kommenden Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten zeigen.