Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Nichtigerklärung der EU-Kommissionsgenehmigung für die 9 Milliarden Euro schwere Rekapitalisierung der Lufthansa in der Corona-Krise bestätigt. Damit hatten die Klagen von Ryanair und Condor gegen zentrale Teile der staatlichen Rettungsmaßnahme letztlich Erfolg. Zugleich stellte der EuGH klar, dass der EU-Kommission bei krisenbedingten Beihilfen zwar ein weiter wirtschaftspolitischer Ermessensspielraum zukommt, dieser jedoch an die Vorgaben des jeweiligen Beihilferahmens gebunden bleibt. Die Entscheidung schafft damit klare Vorgaben für krisenbedingte Beihilfen und ist hochrelevant für aktuelle Energiepreis-Ausgleiche (bis 70% durch Iran-Krise).
Während der Corona-Pandemie 2020/2021 gewährte Deutschland Garantien sowie Eigenkapitalerhöhungen in Höhe von rund 9 Milliarden Euro, um etwa 100.000 Arbeitsplätze bei Lufthansa zu sichern und eine drohende Insolvenz der systemrelevanten Fluggesellschaft abzuwenden. Konkurrenten wie Ryanair und Condor sahen darin einen unzulässigen Wettbewerbsverstoß gemäß Art. 107 Abs. 1 AEUV und klagten gegen die Genehmigung der Maßnahme durch die EU-Kommission. Der EuGH bestätigte nun die bereits vom Gericht der Europäischen Union ausgesprochene Nichtigkeitserklärung. Die EU-Kommission hatte die Maßnahme nach strenger Prüfung auf Marktkonformität, Proportionalität, Transparenz und Anreizwirkung genehmigt.
Der EuGH hat jedoch auch mehrere besonders strenge Anforderungen des Gerichts der Europäischen Union zurückgewiesen und stellte klar, dass die Kommission bei komplexen wirtschaftlichen Krisenbewertungen keine vollständige Marktperfektion nachweisen müsse und ihre Entscheidungen lediglich auf offensichtliche Beurteilungsfehler überprüft werden. Damit stärkt das Urteil zugleich die Handlungsfähigkeit der EU-Kommission in außergewöhnlichen Krisensituationen.
Dieses Urteil bietet deutschen Unternehmen – insbesondere in Hamburgs Flughafen-, Hafen- und Logistikbranche – planungssichere Leitlinien für krisenbedingte Staatshilfen. Es dient als Orientierung für Energiepreis-Ausgleiche bis Ende 2026: Anträge müssen marktkonform, bedarfsgerecht und transparent dokumentiert sein. Es bestätigt, dass staatliche Unterstützungen in außergewöhnlichen Krisensituationen weiterhin möglich bleiben.