Die Europäische Union und Australien haben sich nach mehrjährigen Verhandlungen auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der australische Premierminister Anthony Albanese unterzeichneten das Abkommen in der australischen Hauptstadt Canberra. Das Handelsabkommen ist neben den Mercosur und dem Abkommen mit Indien Teil der Bemühungen der EU, strategische Unabhängigkeit zu erlangen und unter anderem Abhängigkeiten bei Rohstoffimporten von China zu verringern.
Schon heute ist Australien der drittgrößte Handelspartner und das zweitgrößte Investitionsziel der EU. Durch das Handelsabkommen sollen Zölle auf den größten Teil des Handels zwischen der EU und Australien abgebaut werden. Zugleich sollen Investionen in beide Richtungen erleichert werden.
Zentrales Ziel des Handelsabkommens ist es zudem, den Zugang der EU zu wichtigen Rohstoffe zu sichern. Australien ist der weltweit größte Lithiumlieferant und verfügt über Rohstoffe, die für saubere Technologien der Zukunft (z.B. erneuerbare Energien und Elektromobilität) von entscheidender Bedeutung sind. Das Handelsabkommen soll die Zölle auf beiden Seiten auf diese Rohstoffe selbst sowie auf daraus verarbeiteten Produkten abschaffen. Im Gegenzug für den Import von Rohstoffen exportiert die EU umgekehrt vor allem Maschinen, Chemikalien und Bauteile für den Verkehrssektor nach Australien. Zu den Profiteuren des Abkommens dürfte somit auch die deutsche Maschinenbau- und Chemieindustrie gehören.
Das nun geschlossene Handelsabkommen ist Teil der Bemühungen der EU, unabhängiger von China zu werden. Aktuell liefert China den Großteil der Rohstoffimporte in die EU und hält zudem zahlreiche Patente für deren Verarbeitung. Die Diversifizierung der Bezugsländer für entsprechende Rohstoffe soll laut von der Leyen, "sicherstellen, dass kein Land den Zugang zu Energie, Halbleitern oder Seltenerdmineralen als Waffe nutzen kann, um unsere Wirtschaft als Geisel zu nehmen."
Ergänzt wird das Handelsabkommen durch eine neue Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft zwischen der EU und Australien. Durch diese sollen gemeinsame Übungen ausgeweitet, die Zusammenarbeit bei der Abwehr hybrider Cyberbedrohungen vertieft und die Verbindung zwischen den Verteidigungsindustrien gestärkt werden.
Dem Abschluss des Handelsabkommens mit Australien folgt nun dessen juristische Überprüfung. Im Rahmen dieses in der Regel mehrmonatigen Prozesses muss das Abkommen in der EU in alle 24 Amtssprachen übersetzt werden. Anschließend müssen sowohl ds Europaparlament als auch das australische Parlament das Abkommen ratifizieren. Bis das Handelsabkommen zwischen der EU und Australien in Kraft tritt, werden also voraussichtlich noch einige Monate vergehen.